Juni 2009

28. Juni 2009, 20:00
Konzerthaus am Gendarmenmarkt

Musikalische Leitung: Michael Riedel

Programm:

Peter Tschaikowsky (1840-1893)
„Hamlet Ouvertüre op. 67“

Johannes Brahms (1833-1897)
„Doppelkonzert für Violine, Cello und Orchester in a-Moll“

Solisten: Gabriel Adorján, Violine - Felix Nickel, Cello

Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847)
„Sinfonie Nr. 4 A-Dur (Italienische)“

Den Auftakt des Konzertes bildet Peter Tschaikowskys Hamlet Ouvertüre. Er verfasste das Werk im selben Zeitraum wie seine fünfte Sinfonie. Der schwere und teils düstere Charakter ist den beiden Spätwerken ebenso wie der Tondichtung „Romeo und Julia“ zueigen. Schon in den ersten Takten kommen die tragische Spannung und der Rachedurst, die Shakespeares Hamlet-Drama durchziehen, zum Ausdruck. Eingeleitet von einem Trommelwirbel wird in Celli und Bratschen im Unisono ein eindringliches und kraftvolles Thema vorgestellt. Ein kurzes Innehalten im musikalischen Fluss wirkt wie die „Ruhe vor dem Sturm“, der sich daraufhin in den Blechbläsern entfaltet und zunehmend von einer rhythmischen Energie getragen wird. Diese stellt, ebenso wie eine ausgeprägte Chromatik, ein wichtiges Charakteristikum der Ouvertüre dar.

Einen Ruhepol bildet das weiche, lyrische Thema der Oboe, das häufig mit Hamlets Geliebter Ophelia in Verbindung gebracht wird. Doch die Tragik überschattet auch in Tschaikowskys Vertonung die liebliche Idylle. Nach einer fortwährenden Steigerung endet das Stück ungestüm und kraftvoll.

Das Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester ist Johannes Brahms’ letztes Orchesterwerk. Er verbindet darin die barocken und klassischen Vorbilder der Solokonzerte mit der modernen Auslegung der Konzertform und erreicht so eine große Klangvielfalt. Es kommen sowohl die Eigenheiten und Prinzipien der Kammermusik durch die brillanten und feinen Klangschattierungen der Soloinstrumente, als auch sinfonische Elemente in der geballten Kraft des Orchesterklanges zum Tragen.

Die Solisten Gabriel Adorján (erster Konzertmeister der Komischen Oper) und Felix Nickel (Solocellist der Komischen Oper) schaffen es eindrucksvoll, die Energie und die enge Verwobenheit der Soloparts herauszustellen, sodass die Besonderheiten des kunstvollen Brahmsschen Konzerts deutlich hervortreten: Die Soloinstrumente umgarnen, zanken und ergänzen sich oder werden wie ein einziges Instrument behandelt und scheinen zu verschmelzen.

„Ich habe mir noch nie für ein Stück von mir so herzlich Gelingen gewünscht wie für dieses, und deshalb bin ich fast befangen dabei und fürchte, es wird nicht so, wie ich gerne möchte.“, schrieb Mendelssohn Bartholdy über seine     4. Sinfonie an einen Freund. Seine Sorge sollte sich als unbegründet herausstellen. Die Uraufführung in London wurde zu einem riesigen Erfolg und das Werk stellt heute eines seiner meistgespielten Kompositionen dar. Er verstand sich wie kaum ein anderer Komponist auf die schwierige Aufgabe, Werke von einer hellen Leichtigkeit und jubelnden Emphase zu schaffen. Die Eleganz und Klarheit der Italienischen Sinfonie findet kein Gegenstück in der sinfonischen Literatur des 19. Jahrhunderts.

Bedeutende Anregungen für sein Werk erlangte er auf einer fast zweijährigen Italienreise. Obwohl die Sinfonie keinesfalls Programmmusik ist, ist sie doch ein Abbild der italienischen Kultur, wie sie Mendelssohn erlebt hat: Der Hörer wird durch kontrastierende Klangbereiche geführt, die unterschiedliche Assoziationen wecken. Mal sprüht die Musik voll motorischer Energie und Temperament und erinnert an den übermütigen italienischen Springtanz „Saltarello“, mal beschwört sie eine ruhige und melancholische Abendstimmung, die an ein „Neapolitanisches Lied ohne Worte“ gemahnt.