Januar 2010
31.01.2010, Großer Saal der Philharmonie
Musikalische Leitung: Michael Riedel
Programm:
Richard Wagner (1813-1883)
„Ouvertüre zu „Die Meistersinger von Nürnberg“
Dimitri Schostakowitsch (1906-1975)
„Sinfonie Nr. 9, op. 70“
Gustav Mahler (1860-1911)
„Lieder eines fahrenden Gesellen“ - Sebastian Noack, Bariton
Programm-Informationen:
Das festliche Meistersingerthema in strahlendem C-Dur eröffnet den Konzertabend.
Richard Wagner komponierte 1862 die Ouvertüre zu seiner Oper Die Meistersinger von Nürnberg. Obwohl er alle anderen Teile der Oper erst in den folgenden Jahren fertig stellte, tauchen in der Ouvertüre bereits alle Leitmotive auf, die für den weiteren Verlauf wesentlich sind. So werden u. a. das Liebesthema und die Meistersingerfanfare erst nacheinander vorgestellt bis Wagner sie am Ende in einem dichten Gewebe kunstvoll miteinander vereint und übereinanderlegt.
Im Kontrast zum satten Wagnerschen Orchesterklang stehen die Lieder eines fahrenden Gesellen von Gustav Mahler. Mahlers erster Liederzyklus entstand 1884, als er sich leidenschaftlich in die junge Sängerin Johanna Richter verliebte, die seine Liebe aber nicht erwiderte. Ähnlich wie etwa in Schuberts Winterreise schildern die Lieder die Gedanken eines Gesellen, der versucht, seine unglückliche Liebschaft zu verarbeiten. Die Lieder schwanken zwischen Traumwelt und Realität. Musikalisch kommen diese Gegensätze in der von Mahler fein ausdifferenzierten Instrumentierung zum Ausdruck, die ein enormes Spektrum an Klangfarben hervorbringt. Das Orchester konnte für den anspruchsvollen Solo-Part den hervorragenden Berliner Bariton Sebastian Noack gewinnen, der u. a. schon mit den großen deutschen Rundfunkorchestern (NDR, WDR, RSB, BR) und dem RIAS Kammerchor zu hören war.
1945 kündigte die sowjetische Presse an, dass Dimitri Schostakowitsch an der 9. Sinfonie arbeite, die nach seinen beiden monumentalen, so genannten Kriegssinfonien nun „unserem großen Sieg“ gewidmet sei. Das Publikum war überrascht und entsetzt als es anstatt einer feierlichen heroischen Sinfonie nach Beethovens Vorbild ein miniaturhaftes Sinfoniescherzo hörte, das mit insgesamt rund 25 Minuten Spieldauer kürzer ist als allein der erste Satz der 7. Sinfonie. Die sowjetischen Kritiker warfen ihm daraufhin in demagogischer Weise mangelndes Verständnis für die Gegenwartsprobleme vor. Die Sinfonie ist in klassizistischem Stil komponiert und Schostakowitsch kehrt hier zur für ihn so typischen Groteske zurück. Die Themen zeichnen sich durch Leichtigkeit und Heiterkeit aus – Schostakowitsch vergleicht sie mit Zirkusmusik. Die Sinfonie ist aber auch durchzogen von beißendem Witz und an vielen Stellen wird der oberflächlich klassische Stil gebrochen. Die Doppelbödigkeit seiner Komposition kulminiert im satirischen 5. Finalsatz.
