Junges Ensemble Berlin | Sinfonieorchester

Aktuelles Konzertprogramm: Sergej Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll op. 18 | Johannes Brahms‘ Klavierquartett Nr. 1 g-Moll op. 25 (in der Orchestrierung von Arnold Schönberg)

Spielfreude, Leidenschaft und Interpretationen abseits der Routine – das sind die Ziele, denen sich die fast 100 Musiker des JEB | Sinfonieorchesters verbunden fühlen. Einmal wöchentlich treffen sich die Schüler, Studenten und jungen Berufstätigen, um in disziplinierter Probenarbeit sinfonische Konzertprogramme einzustudieren, die dann in der Berliner Philharmonie oder im Konzerthaus Berlin einem breit gefächerten Publikum vorgetragen werden. Aber auch die Teilnahme an Opern- und Operettenprojekten sowie die Zusammenarbeit mit Chören sind regelmäßiger Bestandteil des gemeinsamen Musizierens.

Das JEB | Sinfonieorchester überzeugt sowohl durch seine musikalische Qualität als auch durch sein kulturelles und soziales Engagement. Im März und April dieses Jahres reiste das Ensemble nach Jordanien. Höhepunkt war der Besuch des Flüchtlingsdorfes Umm Al-Jimal im Norden Jordaniens. Mit den Flüchtlingskindern – und auch neugierigen Erwachsenen – erarbeiteten die Musiker in mehreren Workshops Percussion- und Tanz-Begleitungen zu den Sätzen von Dvořáks 9. Sinfonie „Aus der Neuen Welt“, die dann in einem Werkstatt-Konzert präsentiert wurden. Die Musiker konzertierten außerdem gemeinsam mit dem Jordanian National Orchestra in Amman (Leitung: Mohammed Sidiq und Michael Riedel). Hier erklang auch wieder Sidiqs Dialog für Flöte und Nay – seine Aufführung im Januar 2016 in der Philharmonie war der Auftakt zu diesem musikalischen und kulturellen Austausch gewesen.

In den vergangenen Jahren konnten die Musiker mehrere großartige Projekte unterstützen, etwa den Bau eines Krankenhauses im bitterarmen Süden von Madagaskar und die Restaurierung der Orgel im ehemaligen Nazi-Durchgangslager Theresienstadt (Terezín). Gemeinsam mit dem JEB | Chor und herausragenden Solisten wie Maria Bengtsson führten sie am 8. und 9. Mai 2015 Benjamin Brittens War Requiem auf. Eingeleitet wurde das Konzert durch eine von Schülern des Droste-Hülshoff-Gymnasiums erstellte Videocollage, die am Jahrestag des Kriegsendes 1945 einen neuen Blickwinkel auf Brittens Werk eröffnete. Als Schirmherren verliehen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bzw. Bundestagspräsident Norbert Lammert diesen sozialen und pädagogischen Zielen ein zusätzliches Gewicht.

Im Juli 2015 führte das Ensemble Beethovens 3. Sinfonie „Eroica“ auf, mit einer Einführung durch den Musikwissenschaftler und Radiokolumnisten Prof. Dr. Hartmut Fladt. Eine Aufnahme des ersten Satzes, gespielt im Kraftwerk Rummelsburg, können Sie hier ansehen.

Das Orchester hat sich in den letzten Jahren ein großes Spektrum des klassisch-romantischen Kernrepertoires erobert, bei dem sowohl dessen warmer Streicherklang als auch die hohe Qualität der Bläser wirkungsvoll zur Geltung kommen: So standen Werke von Dvořák, Schumann, Brahms, Beethoven und Tschaikowsky ebenso auf dem Programm wie Sinfonien von Mahler und Bruckner und Wagners Ouvertüre zu Die Meistersinger von Nürnberg. Durch die Kooperation mit namhaften Solisten gewinnt das Ensemble künstlerische Erfahrung und wertvolle musikalische Nuancen. Es begleitete in den vergangenen Jahren u.a. den Konzertmeister der Berliner Philharmoniker Andreas Buschatz (Brahms‘ und Tschaikowskys Violinkonzerte), Turid Karlsen (Wagners „Vorspiel und Liebestod“ aus Tristan und Isolde) und Elisabeth Glass (Beethovens Violinkonzert). Zudem konnte das Orchester im Winter 2014 mit Alexander Merzyn als Gastdirigent zusammenarbeiten, der vom Dirigentenforum des Deutschen Musikrates gefördert wird und in dessen Künstler-Liste „Maestros von Morgen“ vertreten ist.

Dem 20. Jahrhundert näherte sich das Orchester vor allem über Kompositionen von Prokofjew und Schostakowitsch, Rachmaninoff und Strawinsky. Zudem pflegt es die Erinnerung an die im Konzentrationslager Theresienstadt internierten und ermordeten Künstler z.B. durch die Aufführung von Viktor Ullmanns Klavierkonzert (Solist: Holger Groschopp). Im Januar 2012 wurde mit der Uraufführung des Auftragswerkes norðr des Berliner Komponisten Marius Felix Lange auch ein Zeichen für die wichtige Auseinandersetzung mit aktueller Musik gesetzt.

In weiteren chorsinfonischen Kooperationen mit dem JEB | Chor und dem Cantus Domus wurden in den vergangenen Jahren bereits u.a. Mendelssohns Elias, Brahms Schicksalslied sowie das Requiem für Mignon von Schumann aufgeführt. Bei einem Austauschprojekt mit dem Oratorienchor der Robert-Schumann-Musikhochschule Düsseldorf erklang Mendelssohns Die erste Walpurgisnacht u.a. im Essener Zollverein. Eine europäische Uraufführung von Steven Sametz’ Carmina Amoris wurde mit The Lehigh University Choir aus Philadelphia (USA) realisiert.

Auf dem Gebiet der Oper und Operette bestand lange Zeit eine enge Zusammenarbeit mit der Regisseurin Cordula Däuper und den Studiengängen „Oper“ und „Opernregie“ der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Dabei gelangten in anspruchsvollen Inszenierungen u.a. Mozarts Schauspieldirektor, Suppés Die schöne Galathee, Menottis The Telephone sowie Poulencs La voix humaine und Die Brüste des Tiresias, letztere in der Berliner Erstaufführung, auf die Bühne.

Konzertreisen führten das Orchester bereits nach Schweden, Tschechien, Italien, Frankreich, Dänemark, die Schweiz und die USA. Für 2016 sind eine Kooperation und gemeinsame Konzerte mit dem Jordanian National Orchestra in Amman in Planung.

Seit 1997 ist Michael Riedel musikalischer Leiter des Sinfonieorchesters. Er wird von erfahrenen Musikabsolventen und Musikstudenten an den Stimmführerpositionen unterstützt.