20. Blasorchestertreffen in Thum

Nach drei Jahren war es wieder einmal so weit. Das Blasorchester des JEB ging auf Reisen. Das Ziel hieß diesmal Thum. Thum ist eine Stadt im Erzgebirgskreis in Sachsen mit etwa 5800 Einwohnern. Am Wochenende des 28.-30. Mai 2010 sollte diese Einwohnerzahl noch einmal gewaltig ansteigen.

Am Freitag, den 28.5. ging es am Nachmittag endlich los. Unser toller Busfahrer Stefan steuerte uns mit seinem Gefährt ins schöne Nachbarland Sachsen. Die Party stieg bereits nach wenigen Minuten. Zunächst nur in den hinteren Reihen, doch ziemlich schnell knallten auch auf allen anderen Sitzen die Kron- und Sektkorken, knisterten die Bonbontüten und es wurde laut geredet und gelacht. Nur echte Profis kamen zum Schlafen, um Kraft für das Wochenende zu tanken.

Nach etwas mehr als drei Stunden fuhren wir am Ortseingangsschild Thums vorbei und waren wenige Sekunden später bereits im Ortskern – auf dem Marktplatz. Ein riesiges Festzelt besetzte den Platz und verdeckte die darum drapierten Häuser. Nach dem die Unterlagen aus dem Organisationsbüro abgeholt waren und eine Verantwortliche des Ortes mit in den Bus eingeladen wurde, fuhren wir zu unserer Unterkunft. Und es bestätigte sich der Verdacht – wir bekamen eine große Turnhalle ganz allein für uns. Das Lager war schnell bezogen. Wie die Ölsardinen lag ein Schlafsack neben dem anderen. Als nächsten wurden noch die sanitären Anlagen bestaunt. Da gab es nichts zu meckern. Alles war in einem Top Zustand, hier ließ es sich aushalten.
Der Vorstand trommelte zur großen Einweisung zusammen. Da galt es die Schlüsselanleitung vorzutragen, den Konzertablauf zu erläutern, die Essensmarken auszuteilen und die Partystimmung weiteranzukurbeln. Zum Schluss schnappte sich jeder noch eine Flasche aus dem Bierkasten und dann ging es los. Auf zum Partyzelt.

Als wir das Zelt betraten, mussten wir ernsthaft staunen. Da war ganz Thum unter dieser Plane. Tausende von Menschen, die tanzten und klatschten, während der Weltstar Ute Freudenberg ihren Hit „Jugendliebe“ zum Besten gab. Nun hieß es feiern und durchhalten. Keiner dürfte vor Mitternacht in seinen Schlafsack kriechen, denn es galt auf den Geburtstag unseres Vorstandsvorsitzenden Micha anzustoßen. Danach teilte sich die Menge. Einige feierten, bis das Bier nicht mehr floss, andere stöpselten sich die Ohren mit Schaumstoff zu und ruhten sich im Schlafsack für den nächsten Tag aus.

Denn wir waren Teil der ersten Frühstücksgruppe. Um acht Uhr! Erstaunlicherweise standen alle kurz vor acht zum Abmarsch bereit und die hungrige Prozession setzte sich in Gang. Noch kurz ein Geburtstagsständchen für Micha, dann konnten die Brötchen und der Kaffee verschlungen werden.
Um zehn Uhr war es dann an der Zeit, ein bisschen Musik zu machen. Im Festzelt vor der Frühstücksgruppe drei gaben wir einen Teil unseres Repertoires zu Besten.

Nachdem alles wieder zusammengepackt war, und die hungrigen Mäuler mit Mittagessen gestopft waren, hieß es „Einsteigen bitte“. Wir fuhren zu unserem zweiten und schon letzten Auftritt an diesem Wochenende zum Hotel am Fichtelberg. Das Wetter war, sagen wir, wechselhaft. Als wir ankamen, tröpfelte es noch leicht, so dass kurzerhand beschlossen wurde, den Open Air Auftritt in das kleine Gasthaus hinter dem Hotel zu verlegen. Da wurden Tische und Stühle weggeschoben und da wurde gedrängelt, bis alle einen halben Quadratmeter für sich selbst, ihr Instrument und den Notenständer gefunden hatten. Tja, für den Dirigenten war leider kein Platz mehr, er bezog seine Position hinter dem Tresen, wo schon fleißig Freibier für alle ausgeschenkt wurde. Ein Hoch auf das Wetter und die großzügigen Wirte …

Für ca. 20 Gäste, die aus dem Hotel in das Gasthaus gelotst wurden, spielten wir ein ähnliches Programm wie am Vormittag. Danach gab noch ein wenig Bier, für manche auch Tee, dann zog die Prozession weiter. Direkt am Fuße des Berges lag die Sommerrodelbahn. Unser Fahrtorganisator Tom hatte die Bahn den ganzen Nachmittag für uns gemietet. Es war Turnierzeit. Inzwischen war auch die Sonne wieder raus gekommen.

Nachdem die ca. 30 Startnummern verteilt waren, die Trikots alle Teilnehmenden schmückten und die Zuschauer ihre Jubelplätze bezogen hatten, konnte der Testlauf los gehen. Schnell waren die Favoriten gefunden, der Kampf um den ersten Platz und die Sektdusche konnte beginnen.

Nach zwei weiteren spektakulären, spannenden, teilweise zerschrammten Wertungsfahrten standen die Sieger fest. Die Klarinettistin Jule rettete die Ehre der Damen und bestieg die dritte Stufe des Treppchens. Der zweite Platz ging an – oh, hatte er gekämpft – unseren Dirigenten Tobias. Doch es hatte nicht gereicht, er musste unserem Orchesterneuling Ludwig den Vorrang gewähren, der die höchste Stufe des Treppchens bestieg und mit Sekt berieselt wurde.
Im Bus wurde auf der Rückfahrt die Abendstimmung eingeleitet – da knallten wieder die Kron- und Sektkorken, die Lieder für den Abend wurden schon geübt und Steffen besetzte für zwei Stunden das Mikrophon des Busfahrers um alle Dinge einmal loszuwerden, die er schon immer einmal loswerden wollte. Da kam keiner zum schlafen.

Zurück an der Turnhalle genossen wir bis zum Abendbrot die Sonne, natürlich mit Bierchen, Sektchen und Weinchen, um dann ins Festzelt zurückzukehren und die aufgetischten Nudeln zu verspeisen. Auch an diesem Abend dürfte vor Mitternacht keiner schlapp machen. Claudia, ebenfalls Vorstandsmitglied, hatte am nächsten Tag Geburtstag und wollte von alle Suffköppen null Uhr mal so richtig geknuddelt werden. Der Abend verlief spektakulär. Es dauerte nicht lange, da standen alle auf den Bierbänken und tanzen zu einem Schlagerhit nach dem Anderen, den die „Allgeier“ zum Besten gaben. Da war es erstaunlich, dass die Bank den ganzen Abend ganz blieb.

Am nächsten Morgen standen dann nicht alle so diszipliniert wie am Vortag zum Frühstücksabmarsch bereit. Das Geburtstagsständchen für Claudia an der Frühstückstafel klang trotzdem ganz passabel, nur die noch vom Alkohol hervorgerufenen Bassstimmen überwiegten.

Wenig später saßen alle auf gepackten Koffern im Bus und stimmten darüber ab, ob es gleich direkt nach Berlin gehen sollte oder an dem Plan festgehalten wird, einen Stopp in Dresden zu machen. Die sächsische Hauptstadt gewann den Zuschlag. Also, verbrachten wir noch zwei Stunden in kleineren Gruppen im verregneten Dresden.

Auch auf der restlichen Rückfahrt dürfte noch nicht geschlafen werden. Die Herrschaften auf den hintersten Plätzen gaben sich alle Mühe, den Rest der Meute mit allen Partyhits, die sie kannten, bei Laune zu halten.
Am Sonntag, den 30. Mai um 17:00 Uhr war es dann geschafft. Jeder zuckelte übermüdet aber gut gelaunt mit seinem Gepäck in Richtung zu Hause, die Herrschaften der hinteren Reihen kehrten zum Abschluss noch in einer nahegelegenen Eckkneipe ein.


Eines steht fest: Es werden nicht wieder drei Jahre vergehen, bis sich das Blasorchester des JEB auf Reise begibt. Schon im nächsten Jahr steht das Orchestertreffen in Grimmen fest auf dem Plan.

Benutzername: Password: